Harley Davidson Tricycle “PENSTER”

Harley-Davidson hat eine lange Geschichte darin, unterschiedliche Ideen zu erforschen. Ganz oben auf der Liste steht der 2006er “Penster” – ein auf Sportster-Basis angetriebenes Tricycle mit Kipplenkung. Während alleine schon die Erscheinung der Penster bizarr genug war, ist die Geschichte, die zu seinem Design führte, noch seltsamer. Es handelt sich um eine Hot Rod-Legende, den Citroën-angetriebenen Trihawk, den unglücklichen, von Porsche entworfenen Nova V4-Motor und sogar eine Reisemobilfirma.

Der Penster mit dem Namen “Projekt 21” wurde von Clyde Fessler, dem damaligen Vizepräsidenten für Geschäftsentwicklung, entwickelt. Während das Prototyp-Trike als völliger Schuss in den Ofen gilt, war Fessler maßgeblich an der finanziellen Wende und Entwicklung von Harley-Davidson beteiligt. Er gilt als Markenarchitekt von H.O.G. (Harley Owners Group) und brachte ferner die Harley- Zubehör und Bekleidungssparte deutlich nach vorne.

In den frühen 1980er Jahren kaufte Harley-Davidson die Firma Trihawk sowie Holiday Rambler Motor Homes. Der unästhetische Trihawk war eine seltsame Zusammenarbeit von Automobil-Enthusiasten, zu denen der Millionär Lou Richards,der Erfinder der McDonald’s-Hamburger-Pastetchenformmaschine, Dave Stollery, ein ehemaliger Kinderschauspieler, der zum Autodesigner wurde, und der Rennwagendesigner und Ingenieur Bob McKee gehörten.

Der TRIHAWK

Obwohl der Trihawk visuell schrecklich war, wurde er von Moto-Journalisten für seine Handhabung und Leistung gelobt. Im Mai 1982 schrieb das Road & Track Magazin, dass das Dreirad ein “richtiger Sportwagen … mit nur einem Hauch von Wahnsinn” sei. Jeffrey Bleustein, damals Vizepräsident von Harley-Davidson, fuhr mit einem Trihawk-Prototyp und war so beeindruckt, dass er andere Vorstandsmitglieder überredete, die Herstellungsrechte zu erwerben.

Die Trihawk war zum hinterher schleppen an Wohnmobilen gedacht und Harley produzierte von 1983 bis 1985 insgesamt 96 Trihawks, bis das Bestreben von den Gläubigern niedergeschlagen wurde. Das Projekt wurde dann neu ausgerichtet, um den Prototyp des flüssigkeitsgekühlten Nova V4-Motors zu verwenden. Letztendlich wurde der Motor eingestellt und das Unternehmen aufgegeben, aber der Traum lebte weiter. Clyde Fessler, der von Dreirädern begeistert war, belebte das Konzept 1998 und beauftragte den legendären Hot Rod-Hersteller Johnny Buttera mit dem Bau eines Prototyps. Fessler war überzeugt, dass ein Dreirad die alternde “Baby Boomer” Generation ansprechen würde. Während er in seiner Vorhersage richtig gewesen sein mag, hatte der Penster einen fatalen Fehler. In einem Interview mit dem American Iron Magazine aus dem Jahr 2017 erklärte Fessler: „Der Fehler, den wir bei der Entwicklung des Penster gemacht haben, war aus automobiler Sicht. Mit anderen Worten, Rolle und Sturz. Wir würden wie ein LKW um die Ecken rollen. Das zentrale Problem beim Penster war, dass die Lenkung nicht richtig reagierte. Während man auf einem normalen Motorrad beispielsweise in einer Rechtskurve durch verlagern des Schwerpunkts schnell nach links ausweichen könne, würde die Lenkung der PENSTER weiterhin nach rechts zeigen, obwohl die Kippgelenkte Penster bereits vom Fahrer nach links ausgerichtet war.

Harley-Davidson hat Butteras Design  noch über mehrere Jahre verfeinert. Der 2006er Penster hatte eine breitere Haltung und vertikal ausgerichtete Stoßdämpfer, die sich zusammen mit den Vorderrädern neigten und vermutlich die Handhabungsprobleme korrigierten. Trotzdem blieb der Penster im Regal und die vier Prototypen wurden dauerhaft im Harley-Davidson Museum untergebracht. 2008 entschied sich The Motor Company für einen weniger radikalen Ansatz und veröffentlichte den Tri-Glide Ultra Classic.

 

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