Dampfhammer : Harleys VR1000

Das Harley-Davidson VR1000 war eine Wettbewerbsmaschine, welches Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre entwickelt wurde, um gegen die Besten der Welt anzutreten.

Wir verbinden den amerikanischen Motorradhersteller normalerweise nicht mit Rennsportmaschinen, aber die VR1000 war eine Ausnahme – mit einem flüssigkeitsgekühlten 996ccm 60º, V-Twin, vier Ventilen pro Zylinder, Weber Kraftstoffeinspritzung und mehr als 135 PS bei mehr als 10.000 U / min.

Harley-Davidson war damals bekannt für seine einfachen, luftgekühlten Schubstangen-V-Twin-Motorräder, die ungefähr das gleiche Gewicht wie ein mittelgroßes Haus mit drei Schlafzimmern, einer Doppelgarage und einer kleinen Veranda auf die Waage bringen. Die VR1000 sollte damit beginnen, diese Wahrnehmung zu ändern und Harley zu einem Hersteller von technologisch fortschrittlichen Weltklasse-Motorrädern zu machen. Und auch wenn nun “eingefleischte Harleybiker” aufheulen und die VR1000 verteufeln und Harley solle bei seinen Wurzeln bleiben, so sei diesen Hartbikern gesagt, daß ein Blick in die Geschichte der Company nicht schaden würde ! Denn Harley Davidson hat durchaus seine Wurzeln nicht nur bei “Potatopoffernden Chopperöfen”, sondern durchaus im Rennsport. Harley Davidson dominierte über Jahrzehnte so ziemlich alles an Rennserien was in den USA auf einer Vielzahl von meißt Ovaltracks ausgetragen wurde. Somit ist es nicht verwunderlich das sich Harley an das Projekt der VR1000 gemacht hat, um in den Rennserien der USA wieder ganz vorne einzufinden.

Die Geschichte hinter der Entwicklung des VR1000 ist ebenso faszinierend wie die VR an sich. Das Chassis und der Motor wurden von einer Reihe bedeutender Namen entwickelt, darunter Erik Buell, Cosworth, Roush Industries und Mike Eatough sowie eine Reihe anderer.

Es war geplant, dass die Harley-Davidson VR1000 in der AMA Superbike-Serie gegen einige der besten der Welt antritt, wobei ein 100% amerikanisch entwickelter V-Twin verwendet wird, der im eigenen Haus entworfen und gebaut werden sollte. Dies war ein großes Unterfangen, wenn man bedenkt, wie wenig Erfahrung das Unternehmen mit modernen Motoren hatte, besonders wenn diese im Rennsport bestehen sollten. Die VR1000 war mit einem Außenrahmen aus Aluminium mit voll einstellbarer Öhlins-Renngabel vorne und einem Penske-Monoschock hinten ausgestattet. Die Schwinge war ebenfalls aus Aluminium und die gesamte Karosserie bestand aus Kohlefaser. Die Rennversionen des Modells verwendeten 6-Kolben-Rennsättel mit AP-Hauptzylindern, die die Homologations-Serienräder verwendeten 6-Kolben-Wilwood-Bremsen und leichte Marchesini-Räder.

Jedes Teil des neuen Motorrads musste von Grund auf neu entwickelt werden und es ging darum, gegen große, erfahrene und gut finanzierte Teams anzutreten. Obwohl Harley nie ein kleiner Motorradhersteller war, waren sie in diesem Fall ein bedeutender Außenseiter.

Das Entwicklerteam hatte mit der ersten Wettkampfsaison im Jahr 1991 gerechnet, die VR1000 war jedoch erst in der Saison 1994 fertig. Die relativ lange Rennkarriere des Modells war durch eine Reihe von Fast-Siegen gekennzeichnet, mit vielen Ausfällen vom 1. Platz in den letzten Runden.

Obwohl die VR1000 im Vergleich zur Konkurrenz etwas weniger Leistung hatte, war sie außergewöhnlich gut zu handhaben und machte in den kurvigeren Streckenabschnitten oft Zeit gut, welche Sie auf der geraden meist dann wieder verlor.

Bis 2001 verfolgte man das Rennserien-Programm bevor es von Harley-Davidson eingestellt wurde. Interessanterweise sollte der Motor mit dem Rennprogramm nicht sterben. Stattdessen wurde das Motorprojekt an Porsche in Deutschland abgegeben mit dem Auftrag, einen leistungsstarken Serienmotor zu konstruieren.

Die grundlegenden Abmessungen, einschließlich der 60 ° -Architektur des VR1000-Motors, wurden beibehalten, aber der im Sommer 2001 öffentlich gezeigte 1.131-cm3-Revolution-Motor teilte keine Teile mit der ursprünglichen VR-Einheit.

Der Revolution-Motor wurde in der VRSC-V-Rod-Plattform verwendet. Er war der fortschrittlichste Serienmotor, der bis dato jemals in einer Harley verwendet wurde, und ermöglichte es Harley zu behaupten, es handele sich um einen im Rennsport erprobten und weiter entwickelten Motor.

Die erhaltenen Exemplare des Harley-Davidson VR1000 sind mittlerweile bei Sammlern sehr gefragt, sie sind nicht für den Straßenverkehr zugelassen und werden nur selten auf der Strecke gesehen. Viele haben daher nur eine sehr geringe Kilometerleistung.

Kurioser Weise wurde die VR 1000 laut Harley-Davidson USA ausgerechnet hierzulande homologiert (bei Harley Deutschland ist man nach wie vor ahnungslos), um an der US-amerikanischen Superbike-Meisterschaft teilnehmen zu dürfen. Es mußten 50 Einheiten produziert werden. Insgesamt wurden von der VR1000 53 Fahrzeuge in handarbeit gefertigt. 3 Stück verblieben im Werksteam, die anderen 50 wurden für Anfangs 49000, später für 34000 US Dollar verkauft.

 

Ein ganz hart gesottener Harley Fan hat sich den Traum einer VR1000 übrigens mit einigen Originalteilen sowie dem aufwändigen Nachbau der restlichen Teile bis hin zur Königsdisziplin, dem Deutschen TÜV Siegel, übrigens selbst geschaffen. Die VR1000 Replica aus Hamburg ist wohl die einzige weltweit Straßenzugelassene VR, auch wenn es sich “nur” um einen Nachbau handelt. Hierzu fällt einem zu Recht nur eines ein, nämlich…RESPEKT !!! Doch seht selbst…

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments